22.02.2018
Integration funktioniert nur über die Sprache

200 Teamplayer in Dortmund am Start

Erste Liga der Integration – so betitelt das NETZWERK „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ seine Jahrestagung 2018 im Dortmunder Signal Iduna Park. Das NETZWERK bringt Unternehmen zusammen, die mit viel Engagement und Einsatz Geflüchtete in ihre Betriebe integrieren und so eine Führungsrolle übernehmen.

Rund 200 Vertreterinnen und Vertreter aus aktiven Unternehmen nahmen an der Jahrestagung am 14.03.2018 ihres NETZWERKs teil.

Auch Lock Your World war dabei. Vertreten durch die Geschäftsführerin Manuela Engel-Dahan und Manal Bourhan, einer jungen Frau und alleinerziehenden Mutter aus Syrien. Sie hat zum Ausbildungsjahr 2017 als Kauffrau für Büromanagement eine Teilzeit-Ausbildung in dem Technologie-Unternehmen in Bad Orb begonnen. „Wir wollten ein Zeichen setzen und einer geflüchteten Frau die Chance und Unterstützung für einen Neustart geben. Der Arbeitsalltag mit der neuen Kollegin hat uns allen noch einmal eine völlig neue Sicht auf die eigene Sprache eröffnet. Man spricht viel bewusster und ist sich selbst viel klarer über die Bedeutung seiner Aussagen. Mein Tipp an andere Betriebe: Sensibilisieren Sie alle Mitar­beiter und Mitarbeiterinnen für Hürden und Missverständnisse in der Kommunikation und ermuntern Sie zum intensiven Austausch mit den neuen Mitarbeitern. Sprache benötigt Praxis. Wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen, kann sich ein ganz neues Gemeinschaftsgefühl und eine neue Energie im Betrieb entwickeln, die auch dem Unternehmen zu Gute kommt.“

Auf die Bedeutung der Sprache wies auch Fußballnationalspieler und DFB-Integrationsbeauftragter Cacau in seiner mitreißenden Keynote zum Auftakt der Tagung hin. Der ehemalige deutsche Fußballnationalspieler ist Ende der neunziger Jahre nach Deutschland gekommen. Für ihn ist die Sprache das wichtigste Handwerkszeug in einem fremden Land: Er wollte unbedingt schnell Deutsch sprechen können, um mitzureden. Sehr emotional und inspirierend sprach er zu den Anwesenden und betonte immer wieder die Sprache und den Teamgeist, mit dem schier Unmögliches erreicht werden kann. „Deutschland ist ein tolles Land, es hat etwas mit Respekt zu tun, sich für die Kultur und die Werte zu interessieren. Das ist ein wichtiger Teil von Integration. Auf der anderen Seite ist es wichtig, gerade neu angekommenen Menschen mit Freundlichkeit zu begegnen, vielleicht auch, wenn es mit der deutschen Sprache noch etwas holpert“, so Cacau.

Neben der Stadion- und Fußballluft konnten die Netzwerkpartner in verschiedenen Workshops auch aktiv Integrationsarbeit schnuppern.

Eine sehr gelungene NETZWERK-Tagung, um Erfahrungen auszutauschen und neue Impulse für die betriebliche Integration Geflüchteter mitzunehmen. In fünf Workshops haben die Teilnehmer Fragen der betrieblichen Integration diskutiert. Den Abschluss bot ein atemberaubender Sonnenuntergang im Restaurant weit oben über dem, wie einige Anwesenden meinten „wohl schönsten Stadion der Welt“. Passende Stimmung zu einem Tag mit berührenden und aufrichtigen Einblicken in die Arbeits- und Gefühlswelt von Geflüchteten, Netzwerk-Partnern und vielen beeindruckten, interessierten Tagungsgästen.