30.07.2018
25.08.2018 in der Gelnhäuser Neuen Zeitung

"Schafft die Angst ab" Erster hessischer Mut-mach-Salon in Bad Orb mit 200 Teilnehmern

Bad Orb (ez). "Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten", der populäre Spruch passt auch zu den Unternehmerinnen, die vom Bundeswirtschaftsministerium als Vorbild-Unternehmerinnen ausgezeichnet wurden. Sie haben Tiefschläge überlebt, haben nicht aufgegeben und sind daran gewachsen. Davon sprachen sie beim "Ersten hessischen Mut-mach-Salon" in Bad Orb.

„Wer etwas unternehmen will, der muss es auch wollen“, bekräftigte die Bad Orber Unternehmerin Manuela Engel-Dahan eine ihrer Maximen bei der Eröffnung. „Das Leben gibt die Karten, und die spiele ich aus.“ 2014 wurde sie vom Bundeswirtschaftsministerium im Rahmen der Initiative „Frauen unternehmen“ zur Vorbildunternehmerin berufen. Ihren Auftrag, jungen Frauen den Beruf der Unternehmerin nahezubringen, sie dafür zu begeistern, aber auch das Für und Wider abzuwägen, nimmt sie ernst und bezieht die Männer ebenfalls mit ein. Auftakt des „Mut-mach-Salons“ war auf dem Gelände des von ihr gegründeten Unternehmens „Lock Your World“ im Bad Orber Gewerbegebiet. Kooperationspartner sind „Lock Your World“ und „Technologieland Hessen“. Die Planung erfolgte durch die „Form Your World GmbH“, Engel-Dahans Gesellschaft zur „Beförderung und Pflege von Unternehmer- und Unternehmerinnengeist, menschlicher Unternehmenskultur und beruflicher Erfüllung“.

Knapp 200 Frauen und Männer hatten sich angemeldet und füllten das Areal. Schirmherrin des „Mut-mach-Salons“ war die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler (SPD). Sie kennt Manuela Engel-Dahan schon lange und zeigte sich begeistert von ihr und der von ihr angestoßenen Initiative: „Chapeau für Dich und Dein Unternehmertum“, sagte sie und betonte, dass „Manuela“ es einfach verstehe, Menschen in positiver Weise mitzureißen. Die große Begeisterung für die Dinge, die sie mache, fasziniere und schließe auch Herzlichkeit mit ein. Sie verkörpere Selbstvertrauen, Mut und Begeisterung und lebe diese Eigenschaften ach vor. In ihrem Grußwort ging die Bundestagsabgeordnete Dr. Katja Leikert (CDU) auf den geglückten Auftakt ein und darauf, dass frau durchaus nicht soviel über die Männer schimpft, sondern lieber etwas mit ihnen gemeinsam machen sollte. „Was macht Ihr, wenn es schwierig wird“, fragte die Gastgeberin die Politikerinnen in der Talkrunde. Beide verfolgen ähnliche Strategien, die beinhalten, nicht den Mut zu verlieren, mit Vertrauten zu sprechen und sich Hilfe zu suchen, wenn’s eng wird. Man müsse Mitgefühl mit sich selbst haben und sich Fehler zugestehen, plädierte Engel-Dahan. „Analysen sind viel einfach als Prognosen.“

Alle Beiträge drehten sich ums „Mutmachen“, auch die Gesprächsrunde mit den Augenoptikern Dietrich Dehmer aus Bad Orb und Gotthard Klassert aus Hanau. Man müsse 150-prozentig von dem überzeugt sein, was man tue, sagte Klassert, der als „Mut- und Tongeber der Hanauer Unternehmerszene“ vorgestellt wurde. Stillstand gebe es nicht. Jeden Tag müsse man handeln. Er trat dafür ein, jungen Menschen eine Chance zu geben und sprach damit besonders Politik und Banken an. Er setzt sich berufspolitisch ein, möchte auch die Tourismusregion vorantreiben und ist Vorsitzender des IHK-Handelsausschusses.

Mut im Einzelhandel: Dietrich Dehmer, Unternehmer und Gründer von „Kaufnah“, sprach vom Kampf mit dem Internet, dem Besinnen auf die eigenen Stärken und die Alleinstellungsmerkmale und das Einbringen der Beratungskompetenz – auch online. Als Nächste fanden sich Vorbildunternehmerinnen aus Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz in einer Fragerunde ein. Sie leiten ganz unterschiedliche Unternehmen, von einer Agentur fürs Handwerk über Beratungen bis hin zu interkultureller Kommunikation oder Internethandel. Hinzu kam Hans-Jakob Reuter, Unternehmer aus Overath. Alle hatten bei ihren Unternehmensgründungen Mut gezeigt, aber auch Rückschläge hinnehmen müssen. Äußerungen waren „Richtig Bock darauf haben, selbstständig zu werden“, „Learning by doing“, „Es ist ein steiniger Weg bis zum Erfolg“, „Vertraut Euren Kunden, seid aufrichtig“, „Krisen gemeinsam meistern“. Oft habe man Angst, obwohl es überhaupt keinen Grund gebe. Da helfe einfach der Austausch mit Gleichgesinnten. Das motiviere. Meist werde dann klar, dass es gar kein Problem gebe. Angst wegdrücken? Das funktioniere nicht, sondern Hilfe annehmen, auf das Bauchgefühl achten, Alternativen wagen. Dass man sich entscheide zeichne Übernehmerinnen und Unternehmer aus. Das Wissen werde nicht in die Wiege gelegt, es wachse. „Manchmal muss man genau die Dinge machen, die man am meisten fürchtet“, weiß die Gastgeberin aus Erfahrung.

Für die gelungene Auftaktveranstaltung bedankten sich auch Katja Farfan, Projektmanagerin von „Hessen Trade & Invest“ und Linda Nagel vom Hessischen Wirtschaftsministerium, Referat Technologiepolitik. Christopher Blos kümmerte sich um die Technik und passte zudem als Jungunternehmer ins Auftaktbild. Er riet: „Sei mit Herzblut dabei.“ Zu Gast waren unter anderem Bürgermeister Roland Weiß, der Aufsichtsratsvorsitzende der Bad Orb Marketing GmbH, Georg Freund, und Kurchef Dr. Dirk Thom.

Unter dem Motto „Schafft die Angst ab“ gab es einen Parcours mit Erinnerungsfotos zum Mitnehmen, einer Wand der Stärken, einer Kunstgalerie, Bewirtungen und mehr. Gut gefüllt zeigte sich die „Wand der Stärken“, auf der eigene Stärken notiert wurden, wie „Ich bin ein Lebenskünstler“ mit Smiley oder „bin kreativ in Problemlösung“, „kann begeistern und motivieren“, „kann komplexe Sachverhalte leicht verständlich erklären“.

Zwischen den einzelnen Blöcken unterhielt die Band „Blockhelden“, und Brizeida Cafasso setzte mit einem temperamentvollen „La Bamba“ einen musikalischen Schlusspunkt. Öffentliche Fragen wurden weniger gestellt, dafür aber viele persönliche Gespräche geführt. Die notierten Visionen und Wünsche wurden abschließend in einem Segensfeuer mit guten Gedanken zur Realisierung verbrannt, mit Unterstützung einer Schamanin.

Von der Veranstaltung geht eine Spende an „parents4safety“.

 

Vorbildunternehmerinnen des Wirtschaftsministeriums (von links): Martina Gädecke, Claudia Schimkowski, Elke Müller, Manuela Engel-Dahan, Petra Bösner-Handelmann, Julia Beer, Mitarbeiterin der Geschäftsstelle im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums und Barbara Eichelmann-Klebl.

FOTO: ZIEGLER